Irgendwann kommt der Moment, wo LinkedIn sich nicht mehr richtig angefühlt hat.
Davor ging es dir mit Instagram und davor mit Facebook so und XING gab es ja auch noch.
Die Reichweite stimmt nicht, die Kommentare kommen von denselben fünfzehn Leuten.
Die Kund:innen, die man sich vorgestellt hat, tauchen auch nicht einfach so auf.
Der Lärm, den die anderen machen, erschlägt dich und je mehr du denen zuschaust, umso mehr hast du, mal wieder, das Gefühl, dass DU falsch bist.
Du willst das gar nicht, aber immer wieder fühlst du dich unter Druck gesetzt, dich anzupassen, um akzeptiert zu werden.
Du siehst andere, die erfolgreich scheinen und genau die sagen dir im Coaching auch wie sie es geschafft haben, aber nicht wie du ganz persönlich es schaffen kannst.
Sie sind nicht du.
Sie sind linear, neuronormativ, und finden sich in dem System zu Recht und können sich anpassen.
Sie haben kein Problem mit Anschlussfähigkeit oder ein bisschen flunkern, wenn es um Erfolgszahlen geht.
Posen gehört zum Handwerk und große Worte auch.
Du hörst und siehst die leeren Phrasen und willst kein Teil des miesen Spiels sein.
Der Lärm, den die anderen machen, erschlägt dich und je mehr du zuschaust, umso mehr hast du, mal wieder, das Gefühl, dass DU falsch bist.
Du willst das gar nicht, aber immer wieder fühlst du dich unter Druck gesetzt, dich anzupassen, um akzeptiert zu werden.
Andere machen Lärm, also wird man leiser. Und mit jedem der dich anschreit wirst du ein Stück kleiner, unsichtbarer.
Es ist wie früher, wo du nicht eingeladen wurdest, weil du „so anders“ warst oder, weil niemand verstehen konnte, wie du denkst. Du warst zu tiefgründig. Für andere warst du zu ernst oder zu laut oder zu viel.
Du willst einfach nur weg.
Und dann passiert das kleine Wunder. Jemand empfiehlt dir eine Plattform, auf der es noch um Substanz und Tiefe geht und du denkst: „Das ist es, da gehöre ich hin.“
Also, Flucht ergreifen und Substack liegt plötzlich so nahe.
Es ist hier so anders. Das fühlt sich gut an.
Frischer Start. Neues Publikum. Endlich die richtigen Menschen.
Du denkst, dass du hier richtig bist.
Hier wirst du gesehen – hoffst du – denn du willst in diesen Lärm nicht mehr mitmachen.
Nicht denselben Bullshit wiederkäuen, den andere schon tausendmal erzählt und gelesen haben.
Wahrheiten hören, die nicht funktionieren, weil sie keine sind, sondern weil es von Leuten stammt, die sich Marketing zurechtbiegen, dass es allgemeingültig klingt.
Es funktioniert nicht, für Menschen, die nicht in diesem System existieren können, weil es sie zerstört.
Oder für die, die es nicht wollen, weil sie merken, dass es ihnen den Hals zuschnürt, die Luft nimmt und den Spaß am eigenen Business.
Du packst dein Köfferchen und gehst – mit Ansage.
Und dann stehst du hier und fühlst dich erstmal einsam.
Aber trotzdem, so ganz allein hier antreten, ohne Rückhalt, ohne Unterstützung mit einem Account, der bei null anfängt? Das fühlt sich komisch an.
Als ob man in einen leeren Raum ruft und niemand antwortet.
Das Publikum, das man sich auf LinkedIn aufgebaut hat — oder eben auch nicht aufgebaut hat — folgt einem nicht automatisch.
Und das neue Publikum auf Substack entsteht nicht einfach dadurch, dass man dort jetzt schreibt.
Wer hier liest, hat aktiv entschieden: ja, diesen Menschen will ich lesen.
Das ist eine komplett andere Hürde als ein LinkedIn-Follow der manchmal fast aus Versehen passiert.
Du kündigst deinen Wechsel an. Jeder darf sehen, dass du jetzt woanders durchstartest, und du lädst jeden ein, mitzugehen.
Du nimmst die ganze Verwandschaft, als potenzielle Kund:innen, als Supporter.
Aber die haben auf LinkedIn nicht bei dir gekauft, viele waren nur stille Mitleser, warum sollten sie es jetzt auf Substack tun.
Wer auf LinkedIn kein klares Publikum hat, das ihm wirklich folgt, nicht nur liked, sondern folgt, denkt, kauft — der startet auf Substack nicht bei null.
Der startet tatsächlich sogar im Minus.
Mit denselben offenen Fragen.
Nur ohne den Algorithmus der die Schwächen zwischendurch überdeckt hat.
Und dann kommt noch die nächste Ebene: Die PremiumCommunity, hinter der PayWall – SpecialGuests, die du noch gar nicht hast.
Du denkst: die ersten 300 Abonnenten, da steckt doch Potential drin, die wollen mich doch alle lesen. Richtig, lesen schon, aber kaufen?
Im Kopf hast du noch den klugen Satz, es kommt nicht auf die Zahl der Follower an, sondern ob die richtigen dabei sind.
Und egal, auf welcher Plattform, die du bedienst: Wenn du deine Zielkund:innen nicht erreichst, wenn sie nicht richtig andocken können, hast du verloren.
Die bezahlten Calls. Die Annahme, dass die Leute, die sich eintragen potenzielle Kunden sind.
Vielleicht sind sie das.
Vielleicht reden sie aber lieber über paranormale Phänomene, Übersinnliches, Esotherik oder Kunst und Kultur oder wollen einfach nur mal schnuppern.
Dich beobachten, schauen, ob du echt bist oder inszeniert.
Checken, ob du ihr Vertrauen wert bist.
Du hast die Plattform gewechselt, aber die Logik hinter deinem Account bleibt die gleiche: Klarheit.
Die Spielregeln im Markt sind überall die gleichen, die Plattform entscheidet meist nur darüber wieviel Lärm du machen sollst, um gesehen zu werden.
Und ob du die Trommel schlägst einfach in Ruhe deine Position spielst, entscheidest du.
Vor dem Lärm bist du ja gerade geflohen.
Baue dir kleine, aber hochgradig loyale Nischen-Communities auf. Die die zu dir passen. Lass das leere Gepäck dort, wo es hingehört: In der Abstellkammer LinkedIn.
Und was machst du, wenn du hier auch nicht zum Überflieger wirst?
Wenn die Dinge sich hier langsamer entwickeln als du hoffst?
Wenn du dich hier auch gegen die Konkurrenz behaupten musst.
Was, wenn du plötzlich feststellst, dass es gar nicht an der Plattform liegt, sondern an dir?
Du bist einfach anders und das legst du nicht ab wie einen Mantel, nur weil du den Raum wechselst.
Die Leisen, die mit Substanz, die lieber endlich echt sein und nicht schreien wollen, werden immer da sein, nur vielleicht (noch) nicht vorne am Bühnenrand.
Der ist im Moment für die Lauten reserviert, wird er wahrscheinlich auch immer sein.
Was die meisten nicht hören wollen: Substack ist nicht wirklich ein Neustart.
Du nimmst alles mit. Das Publikum das nicht kauft, kauft auf Substack auch nicht.
Im Gepäck hast du die ganze buckelige Verwandschaft, die dir zwar ein bisschen Support geben kann, aber schon kurze Zeit später könnte es sein, dass du feststellst, dass du auf dem Spielfeld nur die Seiten gewechselt hast.
Die Positionierung die unklar war, ist dort genauso unklar.
Der Content, der deinen Leser:innen kein klares, kohärentes Bild von dir und dem was du tust gibt, bleibt ein undurchdringlicher Dornbusch.
Deine Stimme, die keine Haltung zeigt deine Marke die glattpoliert und ohne Kanten ist…
wird hier nicht zum Erfolgsfaktor.
Substack verlangt sogar noch mehr von dir, weil die Leute dort aktiv entscheiden müssen, ob sie dir folgen wollen.
Kein Algorithmus schiebt dich jemandem ins Feed der eigentlich was anderes wollte.
Du hast nur wenige Notes Zeit sie zu catchen. Und nur wenn du abonniert wirst, wird überhaupt sichtbar, was du alles draufhast.
Und die Premium-Community, versteckt hinter einer PayWall… das ist dann der Moment, wo man oft merkt: da fehlt eine Stufe. Oder zwei. Der Funnel hat ein Loch, und das Loch war schon auf LinkedIn da, man hat es nur nicht gesehen, weil die Zahlen nach oben zeigten.
Dein neuer Funnel hat ein Loch.
Aber das Loch war schon da und zwar auf der Plattform, “nicht mehr funktioniert hat.”
Der Ortswechsel hat das Loch nicht gestopft, er hat es nur an einen noch unsichtbareren Ort umgezogen.
Die deutsche Substack-Community ist noch sehr klein.
Die Chance, dass deine Zielkunden dort zufällig auf dich stoßen, sind kleiner als auf LinkedIn, wo zumindest Suchfunktion und Targeting existieren. Wer also wechselt und einfach auf neues Publikum hofft sollte sich klar sein, dass er/sie von einem Stadion und den Dorfsportplatz umzieht.
Warum also überhaupt wechseln?
Ergreif die Chance – ich hab’s getan
Das Vertrauen, die Klarheit, das Angebot — das muss vorher stimmen.
Und wenn du dir nicht klar bist, wird dich sonst auch niemand verstehen und ohne Verständnis kein Vertrauen.
Deine Illusionen, deine falschen Erwartungen, deine Ungeduld, deine Angst, dass andere dich überholen. Spoiler, das haben sie längst.
Das haben die Plattformen so an sich. Die sind wie der Lockruf aus alten Goldgräberzeiten: Hier gibt es Reichtum und Erfolg.
Ich bin noch nicht lange dort, meine Abonnentenzahl wächst langsam, ich habe nirgends gesagt, dass ich gewechselt habe. Und das ganz bewusst.
Ich bin nicht umgezogen und habe meine ganze Verwandtschaft mit ins neue Haus geholt.
Ich bin neu eingezogen, mit leichtem Gepäck. Alleine.
Ohne die, die mich kennen und die entlang der Marathonstrecke stehen und applaudieren, wenn ich vorbeilaufe.
Ich hatte keine Angst bei NULL anzufangen. Ich wollte von Anfang an mit den richtigen neu anfangen.
Fast alle, die mir jetzt folgen oder mich abonnieren, sind neue Gesichter. Die Abos sind kein Zufall.
Das sind Menschen, die mich lesen wollen, was ich schreibe, weil sie mich beobachten wollen. Keine, die mich nur kontaktieren und mir dann in im Chat einen Pitch zu schicken.
Vielleicht, weil sie wissen wollen, was ich zu sagen habe, ohne Blabla und Blingbling, ohne Filter und ohne Bullshit. Vielleicht wollen sie wissen, ob ich nur ehrlich klinge oder ob ich es bin, wie stabil meine Haltung und meine Positionierung sind, ob ich klar und verständlich bin oder wie echt, wie tief meine Expertise reicht oder ob ich auch so anders bin – so wie sie.
Es entstehen echte Kontakte, wertvolle Kontakte.
Ich kann euch flüstern: Und ob. Ich habe das rundum sorglos Paket ADHS, HS, Scanner, HB und chronisch krank. Also alles andere als massentauglich oder normgerecht.
Deine Haltung entscheidet am Ende über deinen Erfolg
Ich bin meinen Weg gegangen.
Der war nicht immer einfach.
Auch ich hatte Hochs und Tiefs und habe mir die Freiheit rausgenommen mich zu verändern.
Verlässlichkeit bedeutet nicht, immer gleich zu bleiben.
Es bedeutet echt zu sein und echt sein heißt Veränderungen zu zeigen.
Nicht im Sinne von: Mein Business passt nicht mehr zu mir, ich skaliere jetzt und schwupps, haben wir mal eben das dritte Business im zwei Jahren entwickelt, weil nichts trägt und dich davon leben lässt. Auch die 10te neu Positionierung nützt dir nichts, wenn sie dich und deine Marke nicht in den Kopf deiner Leser bringt.
Sich weiterzuentwickeln sollte transparent sein, sonst wirkt es wie ein Bruch. Heute bist du YogaCoach, morgen machst du inMindsetCoaching und fünf Monate später bist du der/die krasseste Funnelbauer*in on Earth.
Das ist nicht glaubwürdig, weil es nach Copy & Paste – ich schau mal, was andere so machen und mach das auch – buchst ein Coaching und verkaufst, was du selber nicht verstehst.
Glaubwürdig = Vertrauen
Auf LinkedIn oder hier… das macht keinen Unterschied, ich bin keine Instagram Performerin oder eine LinkedIn Bürokratin und keine Substack Poesie Autorin.
Ich bin ich – überall – immer.
Und das ist, was letztlich Vertrauen bildet, wenn du wiedererkennbar bist.
Auch dann wenn dich mal jemand mal ein paar Wochen nicht verfolgt hat.
Du stehst nicht plötzlich mit einem komplett neuen Business da, hast die Positionierung um 180 Grad gedreht. Du bist verlässlich.
Und genau deswegen habe ich hier, bei Null angefangen.
Weil ich nicht Follower suche, Reichweite, sondern die Richtigen.
Zum Quatschen, diskutieren, fachsimpeln und zum Zusammenarbeiten.
Und so hat sich in meinem Mininetzwerk in 4 Monaten eine internationale Zusammenarbeit ergeben.
Ganz still, leise im Hintergrund ohne Getrommel und Krawall.
Das war, was ich hier gesucht habe.
Menschen zu treffen, Selbstständige, Unternehmer:innen die genug haben von Marketing-Bullshit, die lieber ehrlich arbeiten wollen, anstatt nach Abkürzungen zu suchen. Die Community nicht als Festival betreiben, mit tausenden von Mitgliedern, sondern als kleine, kuratierte Gesellschaft.
Ich habe das immer ein Bild vor Augen:
Wir sitzen gemütlich beisammen, wie in einem Wohnzimmer, reden über Business, Branding, Selbstständigkeit und manchmal philosophieren wir oder erzählen uns einfach tolle Geschichten. Und mit manchen matcht das so gut, dass man sagt: Yess von oder mit dir will ich mehr.
Mehr reden, mehr machen, zusammen arbeiten oder gemeinsam Projekte entwickeln.
So wie jetzt mit einer Kollegin aus den USA, die ich kennengelernt habe, weil ich meine Nasenspitze deutlich über meine Tischkante herausgestreckt habe.
Weil ich neugierig bin auf andere neue Menschen. Inspirierende Menschen.
Das alte Gepäck steht auf dem LinkedIn Bahnhof und da bleibt es.