Wir jubeln doch was ist, wenn Held*innen gar keine Held*innen sind?
Menschen wollen sich mit dir identifizieren .
Erzähl ihnen die Wahrheit, erzähl ihnen deine Geschichte…
…sagen sie
Authentisch sollen wir sein
und unsere Heldenreisen beschreiben.
Bist du der Held, die Heldin – der/die mit dem Moment der Erkenntnis und ab da ging’s steil berauf – Ende gut alles gut – die Held*innen siegen immer.
Wenn ich so zurückschaue –
Ich habe mich ganz oft eher so gefühlt, als würde ich mich so durchhangeln- von einer Heldin meileweit entfernt. Jedenfalls von der Sorte Held*innen von der Marketer*innen und Storyteller*innen so gerne erzählen.
Einen durchgehend steilen Aufstieg – davon kann ich nicht erzählen.
Meine Reise?
War eher eine Achterbahnfahrt.
Ich kann erzählen: davon, wie anstrengend es ist, als alleinerziehende Mutter ein Business zu gründen.
Nein, das wird kein schön gemaltes Sommerwiesenbils, von Fau mit strahelnden Gesicht, mit Champagnerglas in der Hand am Pool sitzend. Diese Geschichten, sind meistens gelogen.
Aber wir erzählen diese Märchen – damit wir unsere Held*innenreise endlich antreten können – zumindest monetär.
Und wir werden dabei zu Schauspielerinnen, die auf jeder Theaterbühne Preise abräumen könnten.
Von der misshandelten Frau zur Millionärin mit “Leck mich Attitüde” – vom abgelehnten Kind mit Alkoholikervater und drogensüchtiger Mutter – zur female Businessleaderin.
Immer schön bergauf. Jedes Hindernis mit Leichtigkeit meisternd. Hürden gibt es nicht wirklich.
Passt ja auch nicht in die Stories von unerschütterlichen Kämpfern und Kämpferinnen, die jeder Gefahr trotzen.
Wenn dann der Abstieg hinter zugezogenen Vorhängen langsam beginnt bekommt es kaum jemand mit. Weil die Hochglanzfotos noch lange erhalten bleiben.
Weil vorne auf derBühne unser Double steht, dass unsere Rolle weiterspielt, während wir überlegen, wie wir das bißchen, was übrigblieb, retten können.
Aus der Selbstständigkeit schnell ne UG zimmern, damit wir wenigstens unser Privatvermögen behalten dürfen.
Die Menschen wollen sich identifizieren, sich in dir wieder erkennen. Und am liebsten natürlich in der Heldin.
Gerade am Anfang.
Weil das Hoffnung macht.
Hoffnung das man das (auch) schaffen kann.
Es ist nicht Dummheit Menschen zu glauben, die einem eine Heldinnenreise versprechen, wenn man mit ihnen arbeitet. Es ist Angst. Angst es nicht zu schaffen, nicht durchzuhalten.
Mit diesen Glanzbildchen mit Silberstreuseln drauf vor deinen Augen kannst du dir wenigstens eine Zeitlang einreden, dass das funktioniert.
Bis die Realität dich einholt.
Und das ist die Wahrheit: Du startest mit Mut und vielleicht etwas Geld im Rücken. Aber das ist bald weg. Die Miete will bezahlt werden, auch wenn noch nichts reinkommt, dein Essen auch, die Schulfahrten der Kinder, Kleidung, Auto – alles was man zum Leben braucht und was das Leben angenehm macht.
Dann kommen schlaflose Nächte, weil du den längst leeren Geldbeutel dreimal umdrehst, deine Gedanken kreisen um deine keines wegs rosige Zukunft.
Die macht dir gerade richtig Angst.
Aber das macht nichts.
Du hast dich auf die Bühne gestellt und dort spielst du deine Rolle, immer weiter. Die der Heldin/des Helden auf der Reise deines Lebens in ein goldenes Zeitalter.
Irgendwann überlegst du wo du einsparen kannst – etwas später, ob du nicht noch einen Nebenjob annimmst oder vielleicht doch besser alles hinschmeißt und dich wieder dem Grauen der Festanstellung unterwirfst.
Du hast viel investiert – vor allem in die, die dir erzählen, wie Heldinnen gemacht werden. Und du fragst dich, ob du nicht richtig zugehört hast oder ob du einfach zu dumm bist. An manchen Abenden kriechst du so erschöpft auf allen vieren auf die Couch, dass du nicht einmal den Anfang eines Filmes mehr mitbekommst, weil du schneller einschläfst, als du dein Kaffee trinken kannst, mitdem du dich noch ein bißchen wachhalten willst.
Du willst eine Wahrheit, mit der du dich identifihzieren kannst?
DAS ist die Wahrheit.
Viele Held*innenreisen sind einfach nur erfunden – machen sich in der PR gut, verkaufen gut.
Für mich sind die Kämpfer*innen die Held*innen, die nicht aufgeben, auch wenn ihnen mal nicht gerade die Sonne aus dem A***h scheint.
Die, die blass und sichtlich müde vor der Kamera stehen, anstatt gerade frisch gestylt und manikürt kokett mit dem Champagnerglas in die Kamera winken.
Wenn wir uns mit diesen Menschen identifizieren, deren Geschichten kaum jemand hört (hören will) dann können wir lernen was wahre Stärke ist, was Ehrlichkeit ist, was echt ist.
Meine Heldinnen sind die, die kaum einer sieht und die doch da sind, die ihren Weg gehen, gegen jeden Widerstand, die immer wieder aufstehen ohne jedesmal einen dramatischen Akt der selbstinszenierten Verzweifelung improvisieren.
Die im Hintergrund agieren. Die sich manchmal mit ihren Geschichten nicht raus trauen, weil es keine Held*innengeschichten sind.



